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Hey Reader, Vergleiche sind allgegenwärtig. Soziale Medien. Fernsehen. Ein Spaziergang durch die Stadt. Als Teenager verglich ich mich oft mit anderen und dachte, jede Frau sei glücklicher als ich. Mit Anfang zwanzig war es immer noch dasselbe. Vielleicht sogar ein wenig schlimmer. Was ich damals nicht begriff, war, dass ich mich nur mit dem verglich, was ich von außen sehen konnte. Ich wusste nicht, ob die Frau, mit der ich mich verglich, tatsächlich glücklich war. Ich wusste nicht, welche Probleme sie hatte. Ich wusste nicht, welche Gedanken sie über sich selbst dachte. Ich sah nur einen Ausschnitt. Und aus diesem Ausschnitt machte ich eine ganze Wahrheit über mich. Heute weiß ich, dass diese Vergleiche viel mit den Sätzen zu tun hatten, die ich über mich selbst glaubte. Ich sagte mir, ich sei nicht gut genug. Andere seien schöner. Stärker. Selbstbewusster. Weiter im Leben. Und je öfter ich diese Gedanken dachte, desto wahrer fühlten sie sich an. Das ist das Schwierige an einschränkenden Überzeugungen. Sie kommen oft nicht laut daher. Sie sind einfach da. Im Hintergrund. Und irgendwann merken wir gar nicht mehr, dass es nur Gedanken sind. Keine Fakten. Ein Fakt ist etwas, das bewiesen werden kann. Ein Gedanke ist etwas, das in unserem Kopf entsteht. Und nur weil ich etwas oft gedacht habe, heißt das nicht, dass es wahr ist. Das musste ich erst lernen. Nicht von heute auf morgen. Und auch nicht, weil ich plötzlich immer liebevoll mit mir gesprochen habe. Mit der Zeit habe ich einfach verstanden, dass ich nicht jeden Gedanken über mich glauben muss. „Das kann ich nicht.“ Ein Gedanke, den ich früher oft hatte. Heute würde ich diesen Satz anders betrachten. Vielleicht kann ich es noch nicht. Aber vielleicht kann ich es lernen. Das ist ein kleiner Unterschied. Aber für mich ist es ein wichtiger. „Ich kann mich nicht verändern.“ Auch das kann sich sehr wahr anfühlen, besonders wenn wir lange in bestimmten Mustern feststecken. Aber wenn ich auf mein Leben zurückblicke, sehe ich, dass Veränderung oft viel leiser passiert, als wir denken. Nicht nur durch große Entscheidungen. Sondern durch kleine neue Gedanken. Durch einen anderen Blick auf uns selbst. Durch ein bisschen mehr Geduld. Vielleicht beginnt Veränderung manchmal genau dort: Wenn wir merken, dass ein alter Gedanke nicht mehr die ganze Wahrheit sein muss. Ich glaube nicht, dass wir einfach jeden schwierigen Gedanken wegdenken können. So funktioniert das Leben nicht. Aber vielleicht können wir anfangen, etwas vorsichtiger mit uns zu sprechen. Und vielleicht reicht das für heute. Einen alten Gedanken zu bemerken. Ihn nicht sofort zu glauben. Und einen etwas freundlicheren Satz daneben zu stellen. –Katja P.S. Falls dir einmal eine Mail abhanden kommt: Die bisherigen SonntagsGedanken findest du auch gesammelt auf meiner Seite zum Nachlesen. |
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