Investieren können heißt nicht investieren müssen

Heutiges Programm

  • Warum ein gutes Einkommen noch kein finanzielles Fundament ist
  • Was zwei sehr unterschiedliche Anlageentscheidungen zeigen
  • Woran ich erkenne, ob Geld wirklich zum Investieren bereit ist
  • Ein kurzer Blick auf deine eigene Grundlage

Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir diese Geschichte schon einmal erzählt habe. Aber sie zeigt einen Denkfehler, über den ich noch einmal sprechen möchte:

Wer gut verdient, kann auch investieren.

So einfach ist es nicht.

Vor sieben oder acht Jahren saß ich mit meinem Mann, einem Freund und seiner Frau zusammen. Irgendwann kamen wir auf das Thema Investieren.

Ich investierte damals bereits seit einigen Jahren und hatte auch meinen ersten Sparplan mit Apple-Aktien begonnen. An diesem Tag wollte ich unseren Freunden zeigen, wie unkompliziert ein Sparplan sein kann – zum Beispiel mit einem breit gestreuten ETF.

Nicht, weil sie investieren mussten. Sondern weil sie gut verdienten und grundsätzlich Geld zurücklegen konnten.

Seine Frau sagte sehr klar: Sie hätten so etwas noch nie gemacht und würden damit auch nicht anfangen. Investieren und regelmäßiges Sparen kamen für sie nicht infrage. Gold zu kaufen war die einzige Form der Geldanlage, die sie kannten.

Das war ihre Entscheidung – und damit war das Thema für mich erledigt.

Jahre später saßen wir wieder zusammen. Diesmal erzählte mir unser Freund, dass er nach dem Börsengang SpaceX-Aktien gekauft hatte.

Für mich passten die Bewertung und das Risiko des Unternehmens nicht zu einer soliden Anlageentscheidung. Kurz nach seinem Kauf fiel der Kurs. Er verlor Geld und verkaufte seine Aktien wieder.

Mit Bitcoin hatte er eine ähnliche Erfahrung gemacht.

Dabei geht es mir nicht darum, einzelne Käufe im Nachhinein als richtig oder falsch zu bewerten. Mir ist etwas anderes aufgefallen:

Ein breit gestreuter Sparplan erschien damals zu fremd. Einzelne, deutlich riskantere Käufe wirkten später trotzdem attraktiv.

Ein gutes Einkommen schützt nicht vor solchen Entscheidungen. Und Investieren ersetzt kein finanzielles Fundament.

Bevor Geld wachsen kann, sollte klar sein, welcher Teil langfristig entbehrlich ist – und welches Geld für Rechnungen, Rücklagen oder unerwartete Ausgaben gebraucht wird.

Genau darum geht es auch in meinem Artikel „Investieren für Anfängerinnen: Was du vorher klären solltest“. Darin zeige ich dir, welche Fragen du für dich beantworten solltest, bevor du dich mit ETFs, Aktien oder einem Sparplan beschäftigst.

Ohne diese Trennung wird aus Investieren schnell eine Wette auf Geld, das eigentlich eine andere Aufgabe hat.

Dein Wochenfokus

Nimm dir höchstens zehn Minuten und schau nur auf diese eine Frage:

Welches Geld könntest du heute langfristig investieren, ohne es für Rechnungen, Rücklagen oder unerwartete Ausgaben zu benötigen?

Du musst noch keinen Betrag festlegen. Beobachte zunächst, ob du diese Grenze klar erkennen kannst.

Danke, dass du diese Geschichte heute mit mir eingeordnet hast.

Nicht jede attraktive Anlage passt automatisch zur eigenen finanziellen Situation. Diese Unterscheidung löst noch nicht alle Fragen rund ums Investieren, aber sie kann Entscheidungen ruhiger und nachvollziehbarer machen.

In der kommenden Woche greife ich wieder einen Gedanken auf, der auf den ersten Blick einfach wirkt und bei genauerem Hinsehen mehr Struktur braucht.

Bis dahin: Bleib bei deinem Fundament und beobachte, ob dein Geld bereits klare Aufgaben hat.

–Katja

P.S. Wenn du zuerst klären möchtest, welche Aufgaben dein Einkommen bereits hat und welcher Betrag tatsächlich frei ist, begleitet dich „Dein Gehaltsplan“ Schritt für Schritt dabei. So planst du dein nächstes Gehalt vollständig ein, bevor du über Sparen oder Investieren entscheidest. Mehr über „Dein Gehaltsplan“ erfahren →


KATJA GROESSER

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