Abwarten fühlt sich kostenlos an

Heutiges Programm

  • Warum Abwarten bei Geld selten neutral ist
  • Das kleine Extra in meinem monatlichen Budget
  • Was zwischen einer guten Absicht und ihrer Wirkung liegt

Abwarten fühlt sich neutral an.

Als würde nichts passieren, solange du nicht handelst.

Aber Abwarten hat einen Preis – nur einen, den du häufig erst später siehst.

Was nur in diesem Monat anfällt

Vor einigen Jahren habe ich angefangen, mein Geld zu budgetieren. Davor hatte ich lange ein klassisches Haushaltsbuch geführt.

Zu Beginn bestand mein Budget aus vielen Kategorien, vor allem für variable Ausgaben. Irgendwann habe ich sie auf weniger als zehn reduziert.

Das reicht.

Mein System muss nicht jede einzelne Ausgabe detailliert verfolgen. Es soll mir zeigen, wofür mein Geld in diesem Monat gebraucht wird.

Nur eine Sache blieb zunächst ungelöst:

Ausgaben, die nicht jeden Monat anfallen, sondern nur zu bestimmten Zeiten im Jahr.

Ich wollte dafür nicht ständig neue Kategorien anlegen und sie anschließend wieder entfernen.

Die Lösung war einfach: Jeder Monat hat in meiner Budgettabelle ein zusätzliches Feld für Ausgaben, die nur in diesem Monat vorkommen.

Im Sommer können dort zum Beispiel Ausflüge, zusätzliche Fahrten, Einladungen oder Ferienausgaben stehen. In einem anderen Monat sind es vielleicht eine Jahreszahlung oder ein besonderer Anlass.

Die Ausgaben wechseln. Der Platz dafür bleibt.

So wird aus einer unregelmäßigen Ausgabe nicht plötzlich eine unerwartete Ausgabe.

Was zwischen Einverständnis und Umsetzung verloren geht

Diese Woche ist mir eine andere Form des Aufschiebens begegnet.

Die Enkelkinder meines Mannes haben ihre Zeugnisse bekommen – mit sehr guten Noten. Mein Mann fragte mich, ob wir ihnen etwas Geld schicken sollten.

Da wir weit entfernt wohnen, schenken wir ihnen nur selten Gegenstände. Stattdessen sprechen wir schon länger darüber, Geld für sie zurückzulegen.

Für mich ist dabei wichtig, dass das Geld nicht einfach direkt verschenkt wird, sondern auf ein Anlagekonto fließt.

Der Grund ist einfach: Geld, das sie jetzt nicht brauchen, aber mit achtzehn – für Studium oder Führerschein –, ist mehr wert als ein weiteres Geschenk unter vielen.

An Dingen mangelt es ihnen nicht. Sie haben mehrere Großeltern und bekommen regelmäßig Geschenke.

Über das Anlagekonto habe ich mehrfach mit dem Sohn meines Mannes gesprochen. Er findet die Idee gut.

Nur eröffnet hat er das Konto bisher nicht.

Zwischen „Ich finde das sinnvoll“ und „Ich habe es umgesetzt“ liegt eine Zahl.

Es ist das Geld, das in dieser Zeit bereits hätte eingezahlt werden können. Dazu kommt die mögliche Entwicklung, die aus diesen Einzahlungen hätte entstehen können.

In dieser Modellrechnung siehst du, welchen Unterschied einige Jahre Wartezeit machen können.

Das direkt verschenkte Geld ist wahrscheinlich bald ausgegeben und vergessen.

Das angelegte Geld könnte dagegen leise weiter wachsen – ohne dass danach jeden Monat neu daran gedacht werden muss.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer guten Absicht und einer tragfähigen Struktur:

Die Absicht allein verändert noch nichts. Erst ein fester Platz im System macht sie wirksam.

Das gilt für das Budget genauso wie für ein Anlagekonto.

Eine bekannte Sommerausgabe braucht eine Zeile im Monatsplan.

Ein regelmäßiges Geschenk braucht ein Konto und vielleicht einen Dauerauftrag.

Nicht alles, was aufgeschoben wird, fühlt sich dringend an.

Trotzdem vergeht Zeit, in der es bereits wirken könnte.

Dein Wochenfokus

Öffne deine Budgetplanung für den nächsten Monat.

Ergänze einen kleinen Bereich mit der Überschrift:

„Nur in diesem Monat“

Notiere dort bis zu drei Ausgaben, von denen du bereits weißt, dass sie anfallen werden, die aber nicht zu deinen regelmäßigen Kategorien gehören.

Mehr musst du diese Woche nicht tun.

Danke, dass du heute dabei warst.

Manchmal reicht ein fester Platz, damit etwas in dir ruhiger wird.

Nicht, weil danach alles gelöst ist, sondern weil ein offener Punkt nicht mehr ständig im Hintergrund mitläuft.

Lass uns nächste Woche weitermachen.

Bis dahin: Bleib bei deinem Fundament und beobachte, wo etwas noch keinen festen Platz hat.

–Katja

P.S. Auch ein Tagesgeldkonto oder der Aufbau von Rücklagen wird leicht auf später verschoben. Warum Zinsen dabei nicht nur eine abstrakte Zahl sind, sondern deinen finanziellen Alltag beeinflussen, liest du hier →

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KATJA GROESSER

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